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Sehr geehrter Herr Bundespräsident Alexander van der Bellen,

 

als letzte Hoffnung wende ich mich nun an Sie, unser sehr geschätztes Oberhaupt unserer Republik.

 

Wir EPUler sind in großer Not, wie eh viele andere Bevölkerungsruppen auch.

Aber nach dem nun beide Hilfsfonds ausgerollt sind, stellt sich heraus:

Härtefallfond neu ist auch in der Phase 2 (von der WKO bereits angekündigt) für viele von uns EPUler unbrauchbar. Auch ich gehe völlig leer aus. Grund: das ganze Berechnungsverfahren ist auf Nettoeinkommen und Jahresbescheid aufgebaut. Es dreht sich aber um den Umsatzeinbruch von 12. – 15.KW (Kalenderwoche). Das sind völlig andere Zahlenmaterien! mit großer Auswirkung. Ich weiß von vielen Kollegen, denen es ebenfalls so geht wie mir: € 0,-. Ich lese, dass von uns 316.000 EPUler erst 100.000 angesucht haben. Warum: weil es mit den vorliegenden Richtlinien sinnlos ist, anzusuchen. D.h. bei 2/3 von uns kann das Geld nicht landen!

Nothilfefond als Alternative funktioniert ebenfalls nicht: weil: Kredit aufnehmen tatsächlich in dieser Situation der Todesstoß ist. Und die Zuschüsse sind irrelevant (Miete wurde bereits von Vermieter reduziert, Strom gestundet, etc.)

 

Darum mein dringender Apell an Sie, auf die Entscheidungsträger einzuwirken, die Richtlinien so zu verändern, dass das Geld auch wirklich dort landet, wofür es gedacht ist. >> bei denen, die es   > dringend   <  brauchen.

Untenstehend habe ich die Argumente von Frau Lauterbach der Plattform EPU-Österreich beigefügt.

Im Anhang übersende ich Ihnen ebenfalls meinen Brief an die politischen Entscheidungsträger vom 30.3.2020 und meinen Brief an VK Kogler vom 8.9.2020; beide wurden per Mail verschickt.

 

Schnell.einfach.unbürokratisch wäre: an jeden Steuernummerbesitzer/in für die 4 Wochen Shutdown ( 12. – 15.KW) € 1.500,- an Schnellhilfe zu überweisen. Und dann kann das Verfahren mit dem Härtefallfond beginnen.

 

Ich danke Ihnen von Herzen für Ihren Einsatz für uns EPUler

herzlich in schwierigen Zeiten

Bleiben Sie gesund! Wir brauchen Sie!

Mag. Brigitta Lipold

9.4.2020

 

Argumente von Frau Sonja Lauterbach:

Schluss mit dem Dilettantismus!

Nach den Ankündigungen der Phase 1 des Härtefall-Fonds haben sich seit 17.3.2020 in der

Facebook-Gruppe „EPU Österreich – Gemeinsam durch die Corona-Krise in nur drei Wochen

über 4.500 Mitglieder zusammengefunden, die unverschuldet vor den Scherben ihrer Arbeit

stehen, von der sie vor der Krise gut leben konnten und jetzt der Ahnungslosigkeit der

Verantwortlichen ausgeliefert sind.

Jedes zweite Unternehmen in Österreich ist ein EPU, die Frauenquote liegt bei über 50%, der

Anteil der Hybriden (doppelt versichert) ist etwa 45% und die Hauptaltersgruppe in diesem

Bereich liegt bei 50 bis 59 Jahren [EPU-Forschung]. Kleinstunternehmer von Null bis neun

Mitarbeiter leisten über 80% der Wirtschaftstätigen im Land und beschäftigen rund jeden

fünften Arbeitnehmer [WKO].

In Summe sind rund 700.000 Menschen von den dilettantischen Richtlinien in ihrer Existenz

bedroht!

Das Branchenspektrum ist enorm breit, und die jeweiligen Rahmenbedingungen und

Kostenstrukturen sind höchst unterschiedlich.

- Einige sind mit starken saisonalen Schwankungen konfrontiert – von Almhüttenwirten, die

nur in wenigen Sommermonaten die Jahreskosten erwirtschaften können, über Messebauer,

die zwei Hauptsaisonen haben und enorm hohes gebundenes Kapital in Lagerbeständen, bis

zu Winter-spezifischen Bereichen, die durch den Klimawandel stark betroffen sind und hohe

Investitionen getätigt haben, etc.

- Andere sind in Projekte eingebunden, die über mehrere Phasen längerfristig angelegt sind.

Die Zahlungseingänge sind nicht regelmäßig und vor allem nicht steuerbar – die

Zahlungsmoral der Kunden ist nicht immer optimal.

- Viele sind indirekt betroffen. Dazu zählen alle Zulieferer im Event-Bereich, die teils

ebenfalls hohe Investitionen tätigen müssen, um mit dem Equipment up-to-date zu sein und

hohe Lagerbestände haben.

- Bei EPU kommt es häufig vor, dass sie zwar buchhalterisch über Eigenkapital verfügen,

dieses jedoch in Lagerbeständen – teils mit verderblichen Gütern – gebunden ist.

- Freiberufler (Künstler, Journalisten, etc.) leben, wie viele Berater und Coaches von „Offerte

zu Offerte“, von „Casting zu Casting“ oder eben von einem angenommenenText zum

nächsten.

- Wenn Offerten zB telefonisch abgesagt wurde, weil die Kunden von Krisensitzung zu

Krisensitzung hetzen, kann man keinen Umsatzentgang nachweisen.

- Hybride EPU sind bei den unselbstständigen Einkommen nun ebenfalls von Kurzarbeit oder

Entlassung bedroht. Viele Mindestpensionisten oder Teilzeitangestellte waren vor der Krise

gezwungen, nebenbei einer selbstständigen Tätigkeit nachzugehen, um finanziell über die

Runden zu kommen.

- Alleinerziehende EPU mit schulpflichtigen Kinder sind zurzeit auch gezwungen „Lehrer“ zu

spielen, ohne dafür entschädigt zu werden.

- Einzelhändler haben den Standort ihres Geschäftslokals strategisch klug gewählt und die

höheren Mietkosten dank der höheren Kundenfrequenz in Kauf genommen.

- Dienstleister können naturgemäß ihr Angebot weder lagern, noch verschieben und somit

auch nicht nachholen. Wenn Kunden eines Friseursalons oder eines Nagelstudios „danach“

die Dienstleistung wieder in Anspruch nehmen können, werden sie nicht „vermehrt“

nachfragen. Auch Gutscheine, die verkauft wurden, um die Liquidität irgendwie zu

überbrücken, werden „danach“ zum Bumerang, da die Leistung zwar nachgefragt wird,

allerdings keinen zusätzlichen Umsatz bringt.

- Und es gibt noch viele weitere individuelle Rahmenbedingungen, von denen die

Verantwortlichen offenbar keine Ahnung haben. Beispielsweise, was die Buchung der

vereinnahmten Zahlungseingänge wirklich bedeutet und dass man keinen Einfluss darauf

hat, wann ein Kunde bezahlt.

EPU sind durch die Maßnahmen auf allen Ebenen betroffen: Emotional, mental,

gesundheitlich UND beruflich. Sie sind es gewohnt, „übliche“ Krisen alleine zu bestehen.

Aktuell allerdings ist jeder mit den Bedingungen und Auflagen überfordert.

Viele benötigen Hilfe von Steuerberatern oder Juristen, um halbwegs Orientierung zu

behalten. Versicherungen, Buchhaltungsunterlagen, Gespräche mit Banken, Klagsdrohungen

von Lieferanten, Eintreiben ausstehender Forderungen, Probleme mit Vermietern, etc.

Etliche haben einen Teil ihrer Altersreserven in Fonds und Aktien angelegt, denen man

täglich beim Zerbröseln zuschauen kann.

In Phase 1 der „Sofort-Hilfe“ hatten sehr viele keine Chance auf die Einmalzahlung von 500 €

oder 1.000 €, da das Kriterium „Einkommen“ war. Das ist eine absurde Größe, da es nichts

über die Qualität der Geschäftsführung aussagt.

Die für die Phase 2 auf der Homepage des BMF angekündigten Kriterien erweitern nur den

Personenkreis der Anspruchsberechtigten, allerdings nicht qualitativ die Hilfe. Nach wie vor

werden Einnahmen, Umsatz und Einkommen verwechselt.

Die in Aussicht gestellten Unterstützungen beim Ausfall der Fixkosten – irgendwann 2021 (!)

werden nur mittels Kredit finanzierbar sein. Sehr viele EPU und Kleinstunternehmer

werden somit „nach“ der Krise, wann immer das sein wird, überschuldet sein. Das trifft vor

allem Dienstleister, die nach der Krise nicht entsprechend mehr Leistungen erbringen

können, um diese zusätzlichen Kosten zusätzlich zu erwirtschaften. Von „steuerfrei“ ganz zu

schweigen, da es im Ergebnis, Stand heute, nicht steuerfrei ist.

Ebenso wie das Dilemma, dass die WKO auch für die Abwicklung der EPU, selbstständig

Erwerbstätigen und Kleinstunternehmer zuständig ist. Bis heute ist nicht klar, wer Zugriff auf

die Daten hat, was mit den Daten genau passiert und wer das und die Milliardentöpfe

unabhängig kontrolliert.

Die drohende Insolvenzwelle, die durch die undurchdachten und widersprüchlichen

Richtlinien droht, wird zum Schaden der gesamten Wirtschaft sein.

Wenn mit den geltenden und angekündigten Maßnahmen EPU und Kleinstunternehmen

reihenweise in die Insolvenz getrieben werden, wird nicht nur das Fundament der

heimischen Wirtschaft – vor allem in den Regionen – fehlen, sondern auch die Kaufkraft.

Hinsichtlich letzterem muss man EPU und selbstständig Erwerbstätige zu den

Arbeitslosenzahlen addieren. Nur sehr viele EPU landen nicht beim Arbeitsamt, sondern bei

der Sozialhilfe.

Auch die auf Bundesebene angekündigte „schrittweise Öffnung“, stellt sehr viele EPU und

Kleinstunternehmer vor neue Ungewissheiten. Die meisten Ladenbesitzer leben von

Laufkundschaft und Touristen. Beide Gruppen wird es auf noch nicht bestimmbare Zeit

ausfallen. Auch laufen viele Gefahr, dass die individuellen Vereinbarungen mit den

Vermietern keine Substanz mehr haben. Darüber hinaus ist nicht sichergestellt, ob

Ladenbesitzer, die, ohne Aussicht auf genügend Umsatz, offen haben dürfen, dennoch

Anspruch auf Leistungen aus irgendeinem Hilfs-Fonds haben. Wie sich das genau mit den

Vereinbarungen über diverse Stundungen verhält, ganz zu schweigen.

Es ist höchste Zeit, dass Verantwortliche und Entscheider Einblick in die Realität eines

großen und wichtigen Teils der Wirtschaft erhalten und zu echter Hilfe umschwenken.

 

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